Rhine on Skates – 135 km Weltkulturerbe auf Inlinern
Start Erlebnisse Rhine on Skates – 135 km Weltkulturerbe auf Inlinern
Rhine on Skates – 135 km Weltkulturerbe auf Inlinern
Geschrieben von: Axel   
Dienstag, den 30. August 2011 um 15:37 Uhr

„Warum ist es am Rhein so schön?“ heißt eines der mehr oder weniger weinseligen Gesänge, die zu später Stunde von den Besuchern der örtlichen Tavernen geträllert werden. Auch Richard Wagner konnte sich der Mystik des Flusses nicht entziehen und lässt das „Rheingold“ den Auftakt seiner „Nibelungen“ bilden.

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In der Tat ist die Gegend einmalig. Der Rhein schlängelt sich durch ein mächtiges Tal. Links und rechts Weinberge mit Festungen, Schlössern und Burgen, von denen jede eine eigene Geschichte hat.

Grandios ist daher die Idee, das Tal mit Inlinern abzufahren. Jedes Jahr nehmen ca. 1.000 Skater die Distanz unter die Rollen. Organisiert wird die Veranstaltung von den ehrenamtlich tätigen „Wendsday Night Skatern“ aus Mainz. Termin ist immer am letzten Augustwochenende.

Die Strecke führt von Rüdesheim bis nach Koblenz und wieder zurück. Am Ende sind das tatsächlich 135 km – an einem Tag. Aber wie übt man für so einen Kanten überhaupt – 20 Runden bei BMW, oder 16 Runden Schladibu? Da dieser Sommer (?) ohnehin nicht viel Raum für eine Vorbereitung auf diese Strecke ließ, mussten wir uns eben auf unsere Grundsubstanz verlassen. Und da war uns ganz schön mulmig. Der Veranstalter hatte darauf hingewiesen, dass man in der Lage sein sollte, eine längere Strecke mit 20 km/h zu skaten. Die Empfehlung, etwas Kleingeld mitzunehmen, um, wenn die Begleitbusse voll sind, notfalls mit dem Zug zurück zu kommen, verstärkte das flaue Gefühl in der Magengegend. Zum Frühstück passten dann auch nur zwei Bananen in diesen.

Kurz nach 9.00 Uhr ging es dann los. Nach 4 km war ich Zugführer. Nach 8 km konnten wir ankoppeln. Nach 14 km stiegen wir auf die Fähre und setzten über. Nach 33 km die erste größere Pause mit Banane 3 und 4. Leider fing es nun etwas an zu regnen. In weiser Voraussicht hatten wir uns OP-Überzieher besorgt, präpariert und über die Schuhe gezogen. Von männlichen Kollegen erfuhren wir Anerkennung in Form von „sehr praktisch“, die Damen meinten „das Blau passt aber gut zu den gelben Rollen“. Nass wurden wir trotzdem, da das Wasser von den Rollen der vor uns laufenden Sportler direkt auf andere nicht unwichtige Körperteile spritzte. Zum Glück kam auch die Sonne mal raus und die Straße trocknete wieder rasch ab und es machte richtig Spaß. Der erste Marathon war nach gut 2 h bewältigt. Obwohl wir uns meistens hinten an Gruppen dranhängten, waren nach 50 km die ersten Verschleißerscheinungen erkennbar. In einer Schussabfahrt ging es dann nach Koblenz hinein. Da hier noch die Straßen etwas feucht waren, zeigte die T-Bremse nur Wirkung an den eigenen Gliedmaßen. Die Sanitäter meinten aber, ich solle die Blutblase nicht aufstechen. Dann war Mittagspause. Es gibt Mahlzeiten, die vergisst man nicht. Die Nudeln mit leckerer vegetarischer Soße in der VIP – Loge des TuS Koblenz gehören dazu!

Im Feld wurde nun von einem harten Anstieg gemunkelt. Ca. 1,5 km ging es bergauf. Oben blieb dann sogar noch Luft zum Luftholen. Wir sammelten uns erneut und eine Abfahrt mit tollen Ausblicken von ca. 3-4 km Länge war der Lohn. Nun waren es noch 45 km – eine Distanz die man zumindest aussprechen kann. Die nun folgenden 15 km zur nächsten Pause waren die härtesten. Es gab Fußmassage a´la Ökobahn, Gegenwind, Tempowechsel zwischen 12 und 18 km/h, ständig wechselnde Gruppenstrukturen und laufend wurden wir überholt. Aber wir hatten Bedenken uns an eine schnellere Gruppe zu hängen, da wir nicht wussten, ob unsere „Körner“ reichen. Am Straßenrand saßen nun ab und zu Sportler, die auf den Sammelbus warteten. Irgendwann war wieder Pause, mit Powerriegel 3+4 und Banane 5+6. Zum Glück hatte sich auch das Wetter stabilisiert und wir konnten unsere Füßlinge abstreifen. Noch 30 km und uns war jetzt zum ersten Mal klar, auch wenn wir Gras oder Asphalt fressen müssen: wir stehen das durch!

Irgendwie hat diese Erkenntnis nun Reserven mobilisiert, die wir nach 100 km nicht erwartet hatten. Wir erwischten eine Gruppe, die konstant 24-25 km/h fuhr und wir konnten dranbleiben und hatten wieder Spaß am Leben. Beim letzten Zwischenstopp folgten Banane 7 und Riegel 5+6. Nun waren es noch 13 km. Die absolvierten wir recht nah am Führungswagen, was allerdings zur Folge hatte, dass wenn dieser das Tempo rausnahm, ich immer auf meine Vorderleute auffuhr. Die Reaktionen kamen nunmehr etwas verzögert in meinen ausführenden Organen an, und richtig gut bremsen konnte ich ja noch nie. Um mich zu verhauen, hat den meisten aber bestimmt auch die Kraft gefehlt.

Egal, wir haben unser Ziel erreicht und geschafft ist geschafft!

Das Geld für die Zugtickets konnten wir dann zur Unterstützung der heimischen Gastwirtschaft einsetzen. Gesungen haben wir aber nicht – wir wollen ja wieder kommen!

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 01. September 2011 um 15:43 Uhr
 

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