|
Zugegeben, es gibt sicher andere Sachen, an die man zuerst denkt, wenn man in Paris einen freien Abend zur Verfügung hat! Aber man ist ja keine 40 mehr und hat als „Botschafter im Trainingsanzug“ auch so seine Pflichten.

Jeden Freitag treffen sich 22.00 Uhr am Bahnhof Montparnasse („Gare Montparnasse“) Inlineskater, die die Straßen der Stadt auf Rollen erkunden wollen. Organisiert wird die Tour durch den gemeinnützigen Verein „Pari Roller“. Damit es nicht langweilig wird, wird jeden Freitag eine andere Strecke absolviert, mit Längen von 25 – 35 km. Ca. 20 Ordner („Staff“) sichern die Veranstaltung, dazu kommen 2 Polizisten auf Motorrädern und 3 Polizisten auf Inlineskatern!
Im stimmigen Dresscode (wir befinden uns in einem Land, das seine Sportler mit dem Ruf „Allez les Bleus“ nach vorne treibt) fanden wir uns gegen 22.00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz ein. Viele Leute sind es zunächst nicht, aber aus einem Beschallungswagen tönen Musik und Ansagen in der Eingeborenensprache. Irgendwann geht es auch los und wir schätzen das Feld auf 300 Starter.
Ziel ist es aber nicht, wie verrückt loszubrettern, sondern auch mal zu gucken, wo man so langfährt und wer alles so mitfährt. Um den Mitfahrer ein möglichst großes Blickfeld zu ermöglichen, verzichten die meisten Französinnen (und Franzosen) auf den Schutzhelm. Ich hätte ja was gesagt, aber 8 Jahre Schulrussisch versteht dort niemand!
Ohnehin wird an allen großen Kreuzungen gewartet, bis sich das Feld wieder gesammelt hat. Im Rhythmus 5 min fahren – 45 min Warten geht es locker Richtung Zentrum der Stadt. Die Autos werden inzwischen von Ordnern und Polizei angehalten. Unterwegs stoßen noch viele Skater dazu, so dass das Feld auf über 500 Teilnehmer anwächst.
Die Strecke hat es dann durchaus in sich. Es sind Neigungen dabei, die an die Schlussabfahrt der Linksrumfahrer an der Schladibu erinnern. Gut, dass zumindest das im Winter erlernte theoretische Rüstzeug zum Ausfahren der T-Bremse sitzt! Erschwerend kommt hinzu, dass einige mitfahrende Trickskater die anderen Teilnehmer lediglich als Slalomstange anerkennen. Das sind vermutlich die, deren akustische Einparkhilfe beim Auto mechanisch statt elektronisch funktioniert.
Trotz der Randalierer war die Stimmung im Feld spitze. In kleinen Gassen wurde gejohlt und der Schall mit La-Ola-Welle nach „hinten“ transportiert. Draußen sitzende Gäste der Pariser Kneipenkultur empfingen uns mit Beifall und wir jubelten zurück! So ging es 2 x über die Seine, am Notre Dame vorbei, dem Friedhof Lachaise, der Rue de Rivoli bis wieder zurück zum Montparnasse, wo wir gegen 1.00 Uhr ankamen. Da die U-Bahnen am Wochenende bis 2.00 Uhr fahren, war auch das logistische Problem gelöst.
Wer nicht unbedingt in der Nacht skaten will, kann am Sonntagnachmittag an den Ufern der Seine einen kürzeren Kurs belegen. Auch hier organisieren Sportler, Verwaltung und Polizei Hand in Hand einen touristischen Rundkurs. Was in Paris jede Woche zweimal stattfindet, ist momentan im sonst so größenwahnsinnigen Kleinparis undenkbar. Anfragen an die Stadtverwaltung wurden hier mit Androhung umfangreicher Verkehrszeichenpläne und verkehrsbehördlicher Anordnungen bereits im Keime erstickt.
|